Weltgrößter Staatsfonds warnt vor Inflation

Weltgrößter Staatsfonds warnt vor Inflation

Norwegens Staatsfonds mit düsterer Prognose: Inflation als Gefahr für die Märkte

Der norwegische Staatsfonds vermeldet für das erste Halbjahr eine beeindruckende Rendite von über 9 %, verbindet diese Mitteilung jedoch mit einer eindringlichen Warnung: Den Börsen stehen laut Fondschef Nicolai Tangen unruhige Zeiten bevor. Als Grund nennt er die hohen Inflationsraten in vielen Ländern, die seiner Meinung nach zu enormen Kursverlusten führen könnten. 

Staatsfonds-Chef warnt nach großem Gewinn vor erheblichen Verlusten 

Marktteilnehmer horchen auf, wenn sich der Chef des norwegischen Staatsfonds meldet: Mit einem Fondsvolumen von über einer Billion Euro gehört er zu den Big Playern an den Börsen. In diesem Pensionsfonds investiert der Staat die riesigen Öleinnahmen, um mit den Erträgen Preisschwankungen beim Öl auszugleichen und den Sozialstaat zu finanzieren. Im ersten Halbjahr 2021 lief es hervorragend: Der Fonds erzielte mit seinen zahlreichen weltweiten Firmenbeteiligungen eine Rendite von 9,4 %, der Fondswert stieg um rund 95 Milliarden Euro.

Er profitierte insbesondere von dem allgemeinen Aufschwung der Aktienmärkte, die im unmittelbaren Zusammenhang mit der fortschreitenden Impfkampagne gegen Corona stehen. Viele Staaten haben die Corona-Beschränkungen aufgehoben – die Wirtschaft entwickelt sich prächtig. Die Investoren sind entsprechend optimistisch. Allerdings steigen in der EU, den USA und in anderen Weltregionen zugleich die Inflationsraten. In diesem Trend sieht Nicolai Tangen ein beträchtliches Risiko, das den Aktienboom abrupt beenden könnte. 

Weltweiter Trend zu stark steigenden Preisen 

Die Wirtschaft erholt sich von der Hochphase der Corona-Pandemie: Diese Entwicklung stößt bei Politikern, Wirtschaftsvertretern und Gewerkschaften auf Erleichterung. Sorge bereitet dagegen die rasch anziehende Inflation. Einen Rekordwert verzeichnen die USA: Im Juli stiegen die Preise im Vergleich zum Vorjahresmonat um 5,4 %. Auch in Deutschland und der EU liegen die Inflationsraten mit 3,8 % und 2,5 % im Jahresvergleich weit über den gewöhnlichen Werten. Für Verbraucher bedeutet dies: Sie müssen tiefer in ihre Tasche greifen und können sich von ihren Einkünften weniger leisten. Das kann sich mit einer gewissen Verzögerung negativ auf die Unternehmensumsätze auswirken. Vor allem fürchten Investoren aber die potenzielle Reaktion der Notenbanken. 

Mögliche Zinserhöhungen: Crashgefahr für die Börsen

Notenbanken wie die Europäische Zentralbank und die US-amerikanische FED verfolgen zwei Ziele, die in einem Spannungsverhältnis stehen: Auf der einen Seite fördern sie das Wirtschaftswachstum, auf der anderen wollen sie für Preisstabilität sorgen. So strebt die EZB eine Inflationsrate von 2 % an. Seit der Finanzkrise vor über einem Jahrzehnt konzentrieren sich die Notenbanken auf die Unterstützung der Wirtschaft und der Staatsfinanzen. Mit historisch niedrigen Leitzinsen und zusätzlichen Maßnahmen wie Anleihenkäufen statten sie Unternehmen, Staaten und Märkte mit ausreichend Liquidität aus. Die Inflation spielte in den letzten Jahren keine Rolle – die Zentralbanken konnten problemlos billiges Geld ausgeben.

Diese großzügige Geldpolitik könnte nun zu einem plötzlichen Ende gelangen. Die FED hat jüngst angekündigt, dass sie dieses Jahr ihre Unterstützungskäufe am Anleihenmarkt zurückführt. Zinsanhebungen könnten der nächste Schritt sein. Aus Sicht der Notenbanken wären diese Maßnahmen konsequent: Wenn sie die Preissteigerungen eindämmen wollen, müssen sie eine straffere Geldpolitik umsetzen. Das gefährdet jedoch die wirtschaftliche Erholung und den Börsenboom. Davor warnt der norwegische Staatsfonds, der Verluste in riesigem Ausmaß befürchtet. 

Weitere Entwicklung der Inflation ist entscheidend

Allerdings fällt es momentan vielen Experten schwer, exakte Prognosen zur Inflationsentwicklung und möglichen Leitzinserhöhungen abzugeben. Die wichtige Frage ist: Steigen die Preise nur vorübergehend oder handelt es sich um einen nachhaltigen Trend? Optimisten glauben, dass die besondere Situation mit Corona zu einer kurzen Inflationssteigerung führe. Ihrer Meinung nach normalisiert sich das Preisniveau bald wieder. In diesem Fall müssten die Notenbanken nicht eingreifen – eine Fortsetzung des Aktien- und Anleihenbooms wäre wahrscheinlich. So hat die EZB vor einigen Wochen verkündet, für einen gewissen Zeitraum eine Inflation über der Zielmarke von 2 % in Kauf zu nehmen. Zinserhöhungen drohen in dieser Übergangsphase nicht.

Andere Akteure wie der Chef des norwegischen Staatsfonds sagen eine längere Phase der Preiserhöhungen voraus. Diese Analysten betrachten unter anderem das umfassende und historisch beispiellose Investitionsprogramm der USA skeptisch. Diese massiven staatlichen Finanzmittel könnten die Preise über eine längere Zeitspanne nach oben treiben. Ein weiteres Risiko besteht laut Pessimisten darin, dass Gewerkschaften angesichts der aktuellen Inflation Lohnzuschläge fordern. Das könnte zu einer Eigendynamik führen: Höhere Löhne würden die Kosten für Unternehmen steigern, die sie wiederum auf die Preise umlegen würden. Die Folge wären weitere Preissteigerungen. Behalten die Optimisten oder die Pessimisten recht? Die nächsten Monate werden es zeigen!

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