Was entscheidet denn nun wirklich über den langfristigen Anlageerfolg?

Was entscheidet denn nun wirklich über den langfristigen Anlageerfolg?

Wie jahrelange Forschungsarbeit zeigt, ist die bei einer Anlagestrategie definierte Aufteilung von Vermögenswerten auf verschiedene Anlageklassen und -bereiche der entscheidende Faktor. Zu besonderer Berühmtheit gelangte 1986 die Studie „Determinants of Portfolio Performance“ (Brinson, Hood, Beebower). Bei dieser Analyse wurde untersucht, welchen Einfluss die drei Faktoren Strategie, Produkt und Timing auf den Anlageerfolg haben. Die drei Autoren fanden heraus, dass 94 Prozent der erzielten Rendite in einem Anlageportfolio auf die Wahl der Anlageklassen zurückgeht. Aktienauswahl und Timing sind dagegen nur für 6 Prozent verantwortlich. Jüngere Vanguard-Studien, dem zweitgrößten Vermögensverwalter der Welt nach Blackrock aus den Jahren 2012 und 2014 kommen zu ähnlichen Ergebnissen. Leider ist der Focus der meisten Anleger, Verbraucherschützer und Berater  sehr häufig auf die Bausteine Produktauswahl und Timing gerichtet. Doch sind es gerade diese Teile der Gleichung, die die langfristig geringsten Auswirkungen auf den Anlageerfolg haben. 

Sehen wir uns zwei Beispiele an.

Schauen wir zunächst auf ein häufig empfohlenes Mischportfolio. Dieses soll in meinem Beispiel aus 60 Prozent Aktien und 40 Prozent Anleihen bestehen. Der Aktienteil wird abgebildet durch den S&P 500, ein Index, der die Aktien von 500 der größten börsennotierten US-amerikanischen Unternehmen, gewichtet nach der Marktkapitalisierung, umfasst und zu den meistbeachteten Aktienindizes der Welt gehört. Der Bereich der Anleihen wird über den „REXP“ abgedeckt, ein deutscher Rentenindex, der die Wertentwicklung deutscher Staatsanleihen misst und aus 30 Bundesanleihen besteht. 

Das Portfolio hat sich seit Einführung des Euro 1999 wie folgt entwickelt: Die Rendite betrug pro Jahr 4,7 Prozent. Nach Abzug der Steuern verblieben 3,5 Prozent Reingewinn pro Jahr.  Für viele Anleger sicherlich ein zufriedenstellendes Ergebnis. Steht doch bei den meisten Investitionsentscheidungen vorrangig die Risikoreduktion (natürlich nur gefühlt und nicht faktisch) im Vordergrund. 

Mit strategischen Überlegungen und ein wenig historischem Verständnis hätte man 1999 auch die Entscheidung treffen können, statt auf Anleihen zu setzen, diesen Teil durch die Investition in Gold abzudecken. Warum? Die Überlegung hätte sein können, dass man erkennt, dass eine neue ungedeckte Papiergeldwährung eingeführt wurde.  Die Konstruktion solcher Währungssysteme und die Erfahrungen der letzten 1.000 Jahre hätten zu dem Schluss führen können, dass diese Währung das gleiche Schicksal ereilt, wie den übrigen ungedeckten Papiergeldwährungen. Die totale Zerstörung. Denn exponentielles Geldmengenwachstum, eine unangenehme Eigenschaft ungedeckter Papiergeldsysteme, führt mathematisch zwangsläufig zu einer geringen Lebenserwartung dieser Währung. Um es mit dem Worten des Schweizer Vermögensverwalters Egon von Greyerz zu sagen: Exponentialität führt zu Finalität. Die nun folgenden Jahre nach der Euro-Einführung bestätigten genau diese Befürchtungen. Die Geldmenge wuchs und wuchs und erzeugte enormen Inflationsdruck, da die Wirtschaft diesem Eiltempo des Geldmengenwachstums nicht folgen konnte. 

Doch welche Auswirkungen hatte diese Entwicklung auf unsere Anlageentscheidung? Und wie hätte man sich noch entscheiden können?

Schauen wir uns nun die Entwicklung des Portfolios an, welches alternativ hätte gewählt werden können: 60% Aktien und 40% Gold. Für dieses Beispiel simulieren wir den Erwerb von Krügerrandmünzen, die weltweit bekannteste Goldanlagemünze. Dieses Portfolio hätte einen Ertrag pro Jahr von 6,7 Prozent erwirtschaftet. Nach Abzug aller Steuern verbleiben 5,9 Prozent.  

Fazit: Strategische Überlegungen hätten zu einem deutlich besseren Anlageergebnis geführt. Selbst unter Berücksichtigung der Inflation, die man vom o.g. Anlageergebnis in beiden Fällen natürlich noch in Abzug bringen muss und die ich unter Berücksichtigung des Geldmengen- und Wirtschaftswachstums der letzten 20 Jahre auf ca. 5 Prozent taxieren würde (mit anderen Betrachtungsweisen kommen noch deutlich höhere Inflationsraten in Frage), hätte man mit dem häufig empfohlenen Aktien/Anleihen-Mischportfolio ein negatives Anlageergebnis erzielt. Das bedeutet, dass Kaufkraft durch die Anlage verloren gegangen wäre. Doch ist es doch genau das edle Ziel einer jeden Geldanlage mindestens die Kaufkraft zu erhalten. Das ist in einem System, welches mit einem sich ständig verkleinernden Wertmaßstab (vergleichbar mit einem Zollstock, der ständig verkürzt wird) arbeitet, eine anspruchsvolle, aber nicht unmögliche Aufgabe.

Beenden möchte ich diesen kurzen Artikel mit einem Zitat von Antonio Gramsci, einem italienischen Schriftsteller und marxistischen Philosophen. Es stammt aus einem 1921 publizierten Artikel: „Die Illusion ist das zäheste Unkraut des Kollektivbewußtseins; die Geschichte lehrt, aber sie hat keine Schüler.“

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