Silber vor unglaublichem Preisanstieg?

Silber vor unglaublichem Preisanstieg?

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Silber-Squeeze: Kommt es bald zu einem starken Preisanstieg des Edelmetalls?

Silber fristet gegenüber seinem „größeren Bruder“, dem Gold, zwar seit jeher ein kleines Schattendasein, findige Anleger sollten das Edelmetall aber nie aus den Augen verlieren – vor allem nicht, wenn das Jahr so turbulent wie aktuell ist. Bereits Anfang des Jahres sahen einige Anleger und Spekulanten einen enormen „Silver-Squeeze“ am Horizont – damals auch angetrieben durch den gerade erst erfolgreichen beziehungsweise simultan stattfindenden GameStop-Squeeze. Der Blick auf eine US-Großbank lässt vermuten, dass der Silbermarkt dieses Jahr noch einige Überraschungen bereithält.

Ein Blick in die Geschichte

In den Augen einiger Anleger gilt Silber als eine „verbrannte Anlagemöglichkeit“. Verantwortlich hierfür sind die teilweise realen und teilweise vermuteten Manipulationen, die den Silbermarkt schon seit Jahrzehnten prägen. Das sorgt auch dafür, dass Silber immer wieder für die eine oder andere große Überraschung gut ist. Zurück gehen die Manipulationsvermutungen rund um das Edelmetall auf die Silberspekulation aus den 1970er-Jahren der Gebrüder Hunt. Die hatten, in klarer Absicht den Silberpreis zu manipulieren, unter Einsatz verschiedener Kapitalinstrumente und -hebel Unmengen von Silber angehäuft und gerieten damit nicht nur in eine das Angebot kontrollierende Position, sondern sorgten zugleich für eine enorme Knappheit am freien Markt. 

Ziel der Brüder Hunt war, wenig überraschend, die Unmengen an Silber später mit riesiger Rendite wieder zu verkaufen. Dazu sollte es aber nie kommen, denn im Jahr 1980 sahen sich die Aufsichtsbehörden gezwungen einzuschreiten, als die Unze Silber kurzzeitig die Marke von 50 US-Dollar knackte. Die Aufsichtsbehörden untersagten im weiteren Verlauf Long-Positionen, selbst existente Long-Positionen durften nur gegen Short-Positionen getauscht werden. Unweigerlich führte das zu einem enormen Preisverfall, der das gehebelte Kapital der Hunt-Brüder in Rekordgeschwindigkeit zum Schmelzen brachte. 

Die Spekulationsblase der Hunts hatte übrigens sogar in Deutschland konkrete Auswirkungen. Weil Silber zu teuer wurde, ersetzte man damals die 5-DM-Münze, die bis dato aus Silber gegossen wurde.

Die Situation heute: könnte es zu einem unfassbaren Preisanstieg kommen?

Im Jahr 2021 sind es nicht die Brüder Hunt, die den Silbermarkt kontrollieren, sondern JPMorgan Chase – zumindest ansatzweise. Die amerikanische Großbank hat sich in der jüngeren Vergangenheit ein stattliches Silberlager aufgebaut – und simultan den Großteil ihrer Short-Positionen verlassen. Damit dreht sich automatisch auch das Ruder. Setzte die Großbank in der Vergangenheit noch auf fallende Preise und lag damit durchaus richtig, schließlich fiel der Silberpreis im März 2020 auf den Tiefstand von 11 US-Dollar pro Unze, gilt sie seither als großer Sammler.

Die genaue Summe schwankt natürlich, grob über den Daumen gepeilt hat die Großbank in den vergangenen Jahren aber rund 675 Millionen Unzen physisches Silber eingesammelt, was umgerechnet in Feinunzen gleich noch nach viel mehr klingt: nämlich 21.000 Tonnen. Was sagt dieser Umstand dem findigen Anleger? Offensichtlich fand irgendwo unter dem Dach von JPM ein Richtungswechsel statt. Beteiligte man sich in der Vergangenheit sowohl auf der Short- als auch der Long-Seite, überwiegt seit rund 12 Monaten ganz deutlich die Long-Position. 

Mit ihrem riesigen Haufen an physischem Silber sind JPMorgan in einer exzellenten Position, um von deutlichen Kursanstiegen zu profitieren, zugleich sorgen sie für eine künstliche Verknappung: schließlich wird das bei JPM gelagerte Silber nicht für die Produktion oder anderweitige Aufgaben genutzt – es liegt „einfach nur“ da. 

Wird physisches Silber knapp?

Anfang des Jahres machte eine weitere Meldung die Runde: das physische Silber wird knapp! Edelmetallhändler konnten teilweise nicht mehr oder nur mit Verzögerungen liefern, einige Stückelungsgrößen waren sogar dauerhaft nicht mehr lieferbar. Simultan meldeten die großen Fonds, dass die Silberrücklagen rückläufig sind und teilweise nicht mehr ausreichen, um investiertes Kapital zu decken. Auswirkungen auf die Wirtschaft hatte die temporäre Knappheit zwar nicht, vollständig gelöst ist sie aber ebenfalls nicht. Noch immer ist Silber, das zeigt ein Blick in die Geschichte, heute knapper als üblicherweise der Fall. Das Angebot fällt also deutlich kleiner als die Nachfrage aus.

Anleger, die den Silbermarkt konsequent beobachten, schlagen nun erneut Alarm. Der Silberstapel von JPM wächst kontinuierlich, der Silberpreis stagniert – zudem gibt es Tendenzen, die eine steigende Nachfrage untermauern, ohne dass das Angebot parallel wächst. Zweifelsohne spielen hierbei auch Inflation- und Reflation-Trades der Anleger an den Kapitalmärkten eine Rolle. Das Schreckgespenst der Inflation beunruhigte zuletzt nicht nur Anleger, sondern auch die Notenbanken, die von der Juni-Inflation in den USA von 5 % überrascht wurden. Edelmetalle, wie Silber und auch Gold, gelten seit jeher als guter Inflationsschutz.

Am Silbermarkt kommt also eine einmalige Konstellation zusammen: Inflationssorgen treffen auf reale Inflation, währenddessen sind Rohstoffe jeder Art hoch im Kurs und Edelmetallanleger versuchen sich gegen die ultralockere Geldpolitik abzusichern, während JPM einen riesigen Silberberg hortet und die eh schon vorhandene Knappheit noch einmal „weiter verknappt“. So könnte es noch dieses Jahr zu extremen Kursexplosionen am Silbermarkt kommen.

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