Monetäre Illusion an den Aktienmärkten: Ist außer Spesen nichts gewesen??

Monetäre Illusion an den Aktienmärkten: Ist außer Spesen nichts gewesen??

Die Aktienmärkte jagen von einem historischen Höchststand zum nächsten. Was auf dem ersten Blick als Vermögenszuwachs anmutet, könnte sich auf den zweiten als Makulatur erweisen. Wir sind die berühmt-berüchtigte dritte Generation – müssen wieder wir von vorn anfangen?

Ein Jubiläum steht an, das wohl die Wenigsten mit der aktuellen Situation an den Aktienmärkten in Verbindung bringen würden: An einem Sonntag vor fünfzig Jahren, genau genommen am 15. August 1971, hob der damals amtierende US-Präsident Richard Nixon die Goldpreisbindung für den US-Dollar auf. Was als vorübergehende Abwehrmaßnahme auf einen Angriff durch Spekulanten angekündigt worden war, erwies sich als ausgesprochen beständig: Die US-Währung hat sich zwischenzeitlich meilenwert vom Edelmetall entfernt – der Kaufkraftverlust des US-Dollars gegenüber Gold beläuft sich bis heute auf sage und schreibe 98 Prozent. Und das wirft ein vollkommen anderes Licht auf die aktuellen Aktienmärkte.

Aufhebung des Goldstandards – strukturelle Dauerinflation

Nach den vergeblichen internationalen Bemühungen, als Antwort auf die Aufhebung der Goldpreisbindung ein festes System der Wechselkurse einzuführen, wurde der US-Dollar im Jahr 1973 komplett freigegeben. Damit wurde die Währung den Kräften des Marktes ausgesetzt. Im Gegenzug legte der Goldpreis in den 1970er Jahren um mehr als 2.000 Prozent zu. Schon daran lässt sich ablesen, wie groß der Kaufkraftverlust – und wenig der US-Dollar tatsächlich wert war: Die US-Währung konnte sich in der Folge nie wieder zu ihrer einstigen Größe aufschwingen, als die Feinunze Gold nämlich für 35 US-Dollar zu haben war.

Im Gegenteil, derzeit bewegt sich der Goldpreis um die Marke von 1.800 US-Dollar je Feinunze. Dabei ist der reale Preis für das Edelmetall nicht übermäßig gestiegen, vielmehr musste die US-Papierwährung in den vergangenen 50 Jahre eine strukturelle Abwertung hinnehmen, wird der USD-Gold-Wechselkurs angelegt. Mit einem Wort: Der US-Dollar aus der Zeit bis zum August 1971 hat gar nichts mehr dem zu tun, der danach als weltweite Leitwährung gepusht wurde. Und das trifft letztendlich auf alle Währungen dieser Welt zu.

Nominale vs. reale Bewertung der Aktienmärkte

Es liegt auf der Hand, dass die Bewertungsergebnisse für die aktuellen Aktienmärkte deutlich auseinanderklaffen, wenn einerseits ungedecktes Papiergeld und andererseits Gold als Maßstab herangezogen wird. 

Beispiel: S&P500 

Wird dieser weltgrößte Aktienmarkt real in Feinunzen Gold bewertet, ist das Erstaunen groß: Der S&P500 bringt derzeit (07/2021) ganze 2,4 Feinunzen Gold auf die Waage – und es gab durchaus bessere Zeiten für den Index. Er stürmt also real keineswegs durch die Decke, sondern bewegt sich im Vergleich zu seinem letzten säkularen Höchststand, das im Jahr 2000 mit 5,4 Feinunzen Gold verzeichnet wurde, deutlich im Minus. Das beträgt immerhin 55 Prozent! Selbst ein Vergleich mit dem vorletzten säkularen Höchststand von 2,9 Feinunzen Gold, das im Jahr 1966 (!) erreicht wurde, hat der Index noch einen Rückstand von 17 Prozent!

Beispiel: DAX

Hier präsentiert sich ein ähnliches Bild: Der letzte säkulare Höchststand wurde im März 2000 mit 28 Feinunzen Gold verzeichnet – aktuell präsentiert sich der wichtigste deutsche Aktienindex mit gerade einmal 10 Feinunzen Gold. Das Minus ist also beträchtlich und Besserung ist nicht in Sicht.

Die Aussichten: Unabhängig von der nominalen Bewertung in US-Dollar dürfte der S&P500 in absehbarer Zeit noch einmal über 90 Prozent verlieren, auch beim DAX gibt die strategische Situation – real betrachtet – nicht viel mehr her.

John Maynard Keynes: größte monetäre Illusion der Geschichte

Es lässt sich also festhalten, dass das letzte real bewertete Allzeithoch der weltweiten Wirtschaft und damit des globalen Aktienmarktes bereits 2000 verzeichnet wurde. Seither gab es zwar zyklische Unterbrechungen, doch die derzeit reale Kontraktion wird wohl in diesem Jahrzehnt enden – und das unter Schmerzen. Angesichts der nominalen Bewertung, der ungedeckte Papierwährungen zugrunde liegen, wird die Folge der Geldpolitik der Zentralbanken klar: Wir haben es mit der größten monetären Illusion in der Geschichte zu tun. Offenbar sind die berühmten drei Generationen vorüber – und wir stehen wieder ganz am Anfang.

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