Es wird ungemütlich für unser Geld

Es wird ungemütlich für unser Geld

Inflationsrate steigt auf höchsten Stand seit 1993 – Verbraucher verlieren an Kaufkraft

Deutschland verzeichnet die größten Preissteigerungen seit 28 Jahren: Im August stieg die Inflationsrate im Vergleich zum Vorjahr um 3,9 %. Die hohe Inflation ist eine unmittelbare Folge der Corona-Pandemie und den staatlichen Gegenmaßnahmen. Gründe sind unter anderem die stark wachsende Wirtschaft und die Wiedererhöhung der Mehrwertsteuer. Im Euroraum steigen die Preise ebenfalls. 

Deutschland: Teuerungsrate im August bei 3,9 % 

Im Verlauf des aktuellen Jahres stieg die Inflation hierzulande kontinuierlich an, im August erreicht die Inflationsrate einen vorläufigen Höhepunkt: Mit 3,9 % im Vergleich zum Vorjahr liegt sie knapp über dem Juli-Wert von 3,8 %. Das teilte das Statistische Bundesamt mit. Ökonomen hatten mit diesem Anstieg gerechnet. In Deutschland kommen globale Trends nach dem Abflauen der Coronakrise und die Mehrwertsteuer als Sonderfaktor zusammen.

In allen wichtigen Volkswirtschaften zieht die Wirtschaft an – nach dem Auslaufen staatlicher Beschränkungen boomen die meisten Branchen. Das gilt auch für Sektoren wie den Tourismus, die Gastronomie und den Einzelhandel, die unter Corona besonders gelitten haben. Der Nachteil dieses raschen Wirtschaftswachstums ist, dass zugleich die Preise überdurchschnittlich steigen. So hat sich die Nachfrage nach Öl enorm erhöht, das erklärt die Preissprünge im Energiesektor. Ein weiteres Beispiel ist der Bausektor: Weltweit herrscht aufgrund des Booms eine Knappheit an Baustoffen wie Holz, entsprechend steigen die Preise. Viele Baustellen lagen während der Coronakrise brach, nun führen Nachholeffekte zu einer riesigen Nachfrage und Preissteigerungen. Diese Entwicklung lässt sich auch in zahlreichen Industriesektoren beobachten. 

Sondereffekt Mehrwertsteuer

Die deutsche Regierung hat von Juli 2020 bis Jahresende 2020 die Mehrwertsteuersätze gesenkt, um die private Nachfrage zu stimulieren und die Wirtschaft zu stabilisieren. Der Regelsteuersatz sank zwischenzeitlich von 19 % auf 16 %, die ermäßigte Mehrwertsteuer reduzierte sich von 7 % auf 5 %. Das minderte letztes Jahr ab Juli die Preise, ein Jahr später beschleunigen die nun wieder üblichen Steuersätze die Inflation. Hierbei handelt es sich um einen einmaligen Effekt, der bis Dezember 2021 zu einer überdurchschnittlich hohen Preissteigerung führen wird. Ab Januar 2022 schlägt sich die vorübergehende Steuerreduzierung nicht mehr in der Inflationsrate nieder.

Euroraum verzeichnet ebenfalls starke Inflation – Energie als Preistreiber

Wie stark die allgemeinen ökonomischen Trends wirken, zeigt ein Blick auf die Eurozone. Auch ohne Sonderfaktoren wie in Deutschland steigen die Preise ungewöhnlich schnell. Im August lag die Teuerungsrate im Euroraum bei 3 % – das ist der größte Anstieg seit dem Jahr 2011. Das Statistikamt Eurostat identifiziert mit Energie, Lebensmittel und Tabak drei wichtige Bereiche, in denen sich die Preise überdurchschnittlich verteuern. Die Ausgaben für Energie ragen heraus, die Kostensteigerung im Vergleich zum Vorjahr beträgt über 15 %. Verbraucher müssen unter anderem für Heizöl und Kraftstoff mehr Geld aufwenden. 

2021: Inflation höher als Lohnzuwächse

Verbraucher leiden unter den hohen Inflationsraten: Geld verliert an Kaufkraft. Das gewerkschaftsnahe Institut Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) rechnet für dieses Jahr mit einem Anstieg der Tariflöhne von 2 % bei einer Inflationsrate zwischen 2,5 % und 3 %. Das bedeutet, dass sich tariflich bezahlte Arbeitnehmer von ihrem Gehalt weniger leisten können. Die Preissteigerung bedroht viele weitere Gruppen wie Rentner und Sparer. Kapitalanleger mehren ihr reales Vermögen nur, wenn ihre Rendite die Inflationsrate übertrifft. Vor allem bei Geldanlagen wie Festgeldkonten übersteigt die Teuerungsrate die Zinsen aktuell deutlich – Sparer verzeichnen Kaufkraftverluste. 

Bis zu 5 % Inflation 2021 – danach wahrscheinlich Entspannung

Die Inflation wird in Deutschland im Lauf des Jahres bis zu 5 % betragen – damit rechnen fast alle Ökonomen und Institutionen wie die Deutsche Bundesbank. Ab nächstes Jahr erwarten sie eine deutliche Reduzierung der Preissteigerung, weil der Sondereffekt mit der Mehrwertsteuer entfällt. Zudem glauben sie, dass sich die Preiserhöhungen durch den wirtschaftlichen Nachholbedarf ebenfalls abschwächen. Hundertprozentige Sicherheit gibt es jedoch nicht, ein Unsicherheitsfaktor ist das umfangreiche Konjunkturprogramm der US-Regierung.

Eine Frage bleibt noch: Kann man den offiziellen Zahlen trauen?

Vergleicht man die offizielle Preisstatistik mit der inoffiziellen „Schattenstatistik“, welche noch die alten Berechnungsmethoden (ohne Hedonik-, Substitutions- und Saisoneffekte) verwendet, dann schrillen die Alarmglocken. Das dabei gezeichnete Bild entspricht viel mehr den „gefühlten“  Preisanstiegen der Bürger. In den USA kann man hierzu auf Shadow Government Statistics zurückgreifen. Diese dabei zur Anwendung kommende Berechnungsmethode zeigt aktuell einen alternativen inoffiziellen Konsumentenpreisanstieg von +13 Prozent an. Dieser liegt so hoch wie zuletzt im Jahr 2008 und +8 Prozent über den offiziellen Zahlen. Es sieht nicht gut aus für unser Geld. Das sah es im übrigen noch nie. Die Geldillusion verhindert den ungetrübten Blick auf die Entwicklungen der letzten Jahre. Es steht uns ein neues Weimar ins Haus.

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